Lukis erstes grosses Ziel stand fest: Das Nordkap, ein Muss für jeden Motorrad-Abenteurer. Am 10. August 2018 startete er bei 30 Grad in Richtung Norden. Doch der Sommer verabschiedete sich schnell – am Nordkap selbst erwartete ihn Schnee und eisige Temperaturen. «Ich musste vier Schichten übereinander anziehen, weil ich nur Sommerkleider dabeihatte», erzählt er. Die Landschaft? Oft nur endlose Weiten und gerade Strassen, bis auf den letzten Abschnitt, der ihn dann doch für die Strapazen belohnte. Die Strasse schlängelte sich kurvenreich am Porsangerfjord entlang und bot atemberaubende Ausblicke.
Farmarbeit und Flüchtlingshilfe – Abenteuer auf und neben dem Motorrad
Nach dem Nordkap ging es für Luki weiter südwärts durch Norwegen – eine Landschaft, die ihn oft an die Schweiz erinnerte, nur, «dass es unten Meer hat», wie er schmunzelnd sagt. In Oslo legte er eine Pause ein und arbeitete zwei Wochen auf einem Gemüsebauernhof mit ein paar Kühen. Morgens wurden die Ställe ausgemistet und die Kälber versorgt, nachmittags stand Feldarbeit auf dem Programm.
Doch die Reise bestand nicht nur aus Natur und Abenteuer. In Calais engagierte er sich eine Woche in einem Flüchtlingslager. «Ich wusste, dass ich gerne etwas Soziales machen möchte», erzählt er. Im Flüchtlingslager reparierte er mit der Heissleimpistole Schuhe von Flüchtenden und verteilte Essen – eine prägende Erfahrung, die ihn später sogar dazu brachte, den Beruf zu wechseln. Heute arbeitet Luki in einem Kinderheim und hat die Ausbildung zum Sozialpädagogen abgeschlossen. «Das war die absolut richtige Entscheidung.»
Wenn er heute an diese Zeit zurückdenkt, spürt er noch immer die Dankbarkeit und die Kraft, die aus diesen Begegnungen gewachsen sind – sie haben sein Leben in eine neue Richtung gelenkt.
Von den Alpen bis zum Mittelmeer: Abenteuer, Unwetter und Lebensfreude
Der weitere Weg führte ihn der französischen Westküste entlang, dann in die Alpen, wo er seinen Cousin traf. Gemeinsam cruisten sie bis nach Nizza. Danach ging es nach Sardinien und Korsika.
Auf dem Weg zurück nach Italien geriet er in ein heftiges Unwetter mit knietiefem Wasser, während in Genua gerade die Brücke eingestürzt war. «Gring abe und dure», beschreibt er die Fahrt durch den Sturm. «Ein bisschen Angst hatte ich schon, aber ich war zu konzentriert, um daran zu denken, was passieren könnte.» Nach 300 km – die Hälfte davon im Trockenen – gönnte er sich dann ein paar ruhige Tage auf einem Campingplatz.
Sein Highlight in Italien: Die Arbeit auf einer Schaffarm in der Toskana. «Am Morgen Schafe melken, dann Frühstücken, Oliven ernten und abends immer mal wieder einen Apero geniessen – das war Lebensfreude pur.» Diese einfachen, ehrlichen Tage, fernab vom Alltag, haben ihm gezeigt, wie wenig es manchmal braucht, um wirklich glücklich zu sein. Von dort aus führte ihn der Weg schliesslich zurück in die Schweiz.
Tiefpunkte und besondere Begegnungen
Ein Erlebnis auf seinem Motorradabenteuer hat sich Luki rückblickend besonders ins Herz gebrannt: «Es war einer dieser Tage, an denen ich mich einsam fühlte und in ein richtiges Loch fiel. Ich hatte mein Geld an jemanden gegeben, der es dringender brauchte, und mich deshalb fürs Wildcampen entschieden.» Doch der nächste Morgen brachte die Wendung: Zwei ältere Menschen luden ihn spontan zum Frühstück ein. «Da wurde mir klar: Wer gibt, bekommt auch etwas zurück.»
Und wohin geht die nächste Motorradreise?
Luki ist längst wieder am Planen. Bevor er übers Heiraten nachdenkt, möchte er mit seiner Freundin erst einmal länger unterwegs sein: «Wir wollen drei Monate nach Südamerika – mit Enduros.» Seine Partnerin muss dafür allerdings zuerst noch den Töff-Ausweis machen. Doch nach einem Besuch beim Horizons Unlimited Festival – einem Treffen von Motorradreisenden aus aller Welt, bei dem Abenteurer ihre Geschichten und Tipps teilen – war auch sie Feuer und Flamme.
Wir wünschen Luki und seiner Partnerin jetzt schon viel Spass auf ihrer gemeinsamen Reise!
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